Das Kunstexperiment „Dialog mit der Maschine“ ist in zwei Phasen eingeteilt:

Ein dreiteiliges Bild, das die Entwicklung von der Fotografie einer Holzfigur zur finalen Fassung der künstlerischen Bearbeitung eines der Bilder für das Kunstprojekt Dialog mit der Maschine zeigt.

Phase I – Von der Generativen Fotografie zur KI-Konzeptkunst

Die Übertragung von Gottfried Jägers Denken auf die KI-Kunst stellt eine tiefgreifende Aktualisierung dar. Jäger fragte einst nicht nach dem „Was“ (dem Motiv), sondern nach dem „Wie und Warum“ des Bildes; die Idee stand über dem Motiv.

Im Kontext des KI-Kunstprojekts Dialog mit der Maschine wird dieses Prinzip konsequent umgesetzt:
Die KI-Kunst (oder auch AlgoBrush-Art) muss nicht ein schönes oder populäres Motiv produzieren, sondern die prozessualen und strukturellen Bedingungen ihrer Entstehung sichtbar machen. In Jägers Werk fungierte die Technik (die Kamera, der Apparat) als aktiver Partner im Schaffensprozess. Im Dialog mit der Maschine übernehmen ChatGPT (Maschine 1) und Midjourney (Maschine 2) diese Rolle des aktiven, algorithmischen Apparates.

Phase I – Die Maschine denkt

In dieser ersten Phase führt Leopoldi den Prozess wie ein Laborversuch. Sie gibt das Startsignal, wählt ihr Ursprungsbild – eine fotografierte Holzfigur – und überlässt den Maschinen die Weiterentwicklung.

ChatGPT denkt in Strukturen, Midjourney antwortet in Bildern. Die Künstlerin beobachtet, dokumentiert, wählt aus (kuratiert).
Vier Entwicklungs-Wege entstehen: Material, Bewegung, Licht, Raum.
Jeder Weg ist eine Untersuchung darüber, wie Technik denkt, was sie sieht, interpretiert, transformiert.
Hier wird Kunst zum Prozess, nicht zum Produkt.

Fotografie und KI begegnen sich nicht als Werkzeug und Bedienerin, sondern als Partner im Denken.

Flussdiagramm von Eva Leopoldi für das Projekt Dialog mit der Maschine, in dem die einzelnen Schritte der Phase 1 dokumentiert sind.

Die Prompts und eine kurze Anleitung, wie man am besten mit den Vorgaben des Kunstexperiments arbeitet findet ihr auf dieser Seite:


Phase II – Der konzeptuelle Bruch: Vom Beobachten zum Antworten

Nach der Phase der strikten Moderation und des Aushaltens der maschinellen Logik, die von der Künstlerin sowohl als „Prüfung und Befreiung“ empfunden wurde, war die Intervention der Künstlerin notwendig. Ohne das „Zurücksprechen“ wäre das Werk ein „wissenschaftliches Experiment, eine Frage ohne Antwort“ geblieben.

Leopoldi beansprucht die Deutungshoheit zurück, agiert als Homo narrans (die Erzählende) und bringt ihre persönlichen Geschichten und den „Leopoldi-Style“ ein. Der Leopoldi-Style beinhaltet spezifische ästhetische Merkmale wie Textilästhetik, Tiefenwirkung und Farbpaletten. Diese bewussten Eingriffe erweitern den Dialog von der technischen Generierung zur menschlichen, emotionalen Geschichte, wodurch das Projekt seine Vollständigkeit erlangt.

Phase II – Die Künstlerin antwortet

Im zweiten Teil des Kunstprojekts Dialog mit der Maschine nimmt Leopoldi das Zepter zurück – leise, poetisch, bestimmt. Sie greift in die maschinischen Bilder ein, überlagert sie mit ihrer Handschrift, ihren Geschichten, ihrem Style. So entstehen vier neue Arbeiten, in denen sich menschliche Emotion und maschinische Logik verschränken.

In „Shattered Dreams“ realisiert ein Sportler seine Niederlage.
In „I want to get out of here“ verwandelt sich Bewegung in Widerstand.
Schoolsports-Hero“ erzählt von Kindheit, Scham und dem Trost des Spiels.
Und „Living in the Future“ öffnet den Blick auf eine utopische Stadt aus Licht und Kuben, in der Menschen durch Räume wandern, nicht mehr auf Straßen, sondern durch Gedanken.

Diese Werke sind keine Korrekturen, sondern Resonanzen – menschliche Antworten auf maschinisches Denken.

Flussdiagramm von Eva Leopoldi für das Projekt Dialog mit der Maschine, in dem die einzelnen Schritte der Phase 2 dokumentiert sind.

Auf dieser Seite könnt ihr die vier neu entstandenen Bilder von Leopoldi entdecken.

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